Sonntag, 15. April 2012

das konzept der neuen agrarschule


die neue agrar-schule 2020, im folgenden "nas.2020" genannt, ist ein dienstleistungsunternehmen, das junge menschen umfassend auf ihr leben vorbereiten soll. umfassend heißt, dass die ausbildung nicht nur auf das produzieren beschränkt wird.

der "lehrplan" der nas.2020 orientiert sich im wesentlichen an den bedürfnissen der schüler und absolventen. in regelmäßigen abständen werden absolventen und deren dienstgeber um feedback gebeten. welche lehrinhalte können gut umgesetzt werden? welche lehrinhalte werden vermisst?  anhand des ergebnisses wird jahr für jahr das lehrangebot adaptiert.

die nas.2020 vermittelt neben fachwissen die fähigkeit der wissensbeschaffung und -verarbeitung, persönlichkeitsbildung, bewusstseinsbildung, aktuelles allgemeinwissen und den erwerb von fähigkeiten, die mit den jeweiligen sachgebieten verknüpft sind.

die nas.2020 orientiert sich an muss-, soll- und kann-lehrzielen. welche fähigkeiten und kenntnisse muss, soll oder kann ein absolvent erwerben? am vormittag werden vorwiegend die muss-lehrziele verfolgt, nachmittags die soll-lehrziele, abends vorwiegend die kann-lehrziele. lehrinhalte können innerhalb der lehrzielbereiche wechseln. ein neuer lehrinhalt aufgrund eines absolventenwunsches kann zuerst ein  kann-lehrangebot sein, dann zu einem soll-inhalt werden und später vielleicht auch teil des muss-bereichs.

die grundinformation zu tierhaltung ist ein muss-lehrziel, die fachausbildung schweinehaltung zb. im ausmass eines nachmittags pro woche für die dauer eines schuljahres ist ein soll-lehrziel. die fachausbildung ist jahrgangsübergreifend und kann von allen schülern zb. ab dem zweiten oder dritten jahrgang absolviert werden. das angebot der fachausbildungen ist nachfrageabhängig. ein fachseminar "weinbau" könnte so auch nur alle zwei bis drei jahre angeboten werden. fachseminare können auch mit projektpartnern umgesetzt werden. das fachseminar "bio" könnte zb. von bio-austria unterstützt und oder organisiert werden.

fachseminare sollten nur von tatsächlich interessierten gebucht werden. uninteressierte mitzuschleppen ist sinnlos. dadurch ist ein entsprechend höheres ausbildungsniveau erreichbar. eine möglichst optimale kombination von theorie und praxis ist anzustreben. das fachseminar "obstbau" wird etwa einmal pro monat in einer obstanlage mit praktischer tätigkeit kombiniert. die absolventen erleben somit alle tätigkeiten in einer obstanlage im jahreskreis.

fachseminare können auch unterjährig zb. für 2 monate oder ein halbes jahr oder einen nachmittag pro monat angeboten werden. eine "verzahnung" verschiedener fachseminare ist möglich.

das fachseminar schweinehaltung "fs.schwein" kann gleichzeitig als fachhochschul- oder kolleg-ausbildung, als zusatzausbildung für boku-absolventen oder schweinefachtierärzte, für maschinenring-stallprofis und absolventen von anderen landwirtschaftlichen schulen angeboten werden. das fs.schwein wird von einem tierzuchtlehrer, einem tierarzt sowie 2 bis 3 praktikern organisiert. organisationen wie zb. die vös verband österreichischer schweinebauern könnten die patronanz für den lehrgang übernehmen.

da man im schulalter häufig noch nicht wirklich weiss, was man will, ist eine interessensfindungsphase sinnvoll. in dieser phase verfassen die schüler ihre eigene lebensvision und konkretisieren anhand dieser ihre beruflichen entwicklungsziele. anhand dieser entwicklungsziele buchen die schüler die jeweils benötigten fachseminare. wenn jemand sich zb. in richtung beratung und schulung entwickeln will, kann er das fachseminar "beratung, schulung, training" absolvieren.

als fachseminare sind denkbar:
+ ackerbau-praxis allgemein
+ ackerbau-alternativen
+ gemüsebau
+ obstbau
+ weinbau
+ biolandbau
+ forstpraxis
+ unternehmerpraxis: 1 bis 4 bäuerliche unternehmer arbeiten aktuelle problemstellungen auf
+ rinderhaltung
+ schweinehaltung
+ geflügelhaltung
+ tierische alternativen
+ beratung - schulung - training
+ management-praxis + motivationstheorie
+ kommunikationspraxis (reden - diskutieren - argumentieren - verhandeln)
+ landtechnik-praxis
+ zeit- und innovationsmanagement
+ angewandte psychologie + menschenführung
+ vereins- und gemeinschafts-management

für die durchführung sind rahmenbedingungen wie mindest- und maximal-teilnehmer-anzahl zu definieren.

neben den soll-lehrzielen gibt es kann-lehrziele. die schüler haben die möglichkeit,
+ zusatzqualifikationen zu erwerben
+ ihr bewusstsein (auf legale weise!) zu erweitern
+ neue interessen zu entwickeln
+ ein speed-reading-seminar buchen
+ sich mit themen wie glück und beziehung auseinandersetzen
+ neue sportarten probieren
+ theater spielen
+ sich in einem club mit aktuellen themen auseinandersetzen
+ ein strategieseminar besuchen
+ dem kochklub beitreten
+ einer selbsterfahrungsgruppe beitreten
+ sich mit themen wie sicherheit und gesundheit auseinandersetzen
+ ein konflikttraining absolvieren
+ sich mit haushaltsmanagement auseinandersetzen (2/3 der absolventen werden einen erheblichen teil ihres lebens einen single-haushalt führen, respektive mit einer/m partnerIn zusammen sein, die/der nichts mit haushalt am hut hat)
+ ein journalistik-seminar besuchen

aufgrund des variablen angebots werden sich schüler verschieden engagieren. rund 40 % der jugendlichen sind leistungsorientiert, sie werden das soll- und kann-angebot umfangreich nutzen. weitere ca. 40 % sind wohlstandsorientiert, sie werden kaum mehr als das mindestprogramm absolvieren. insbesondere für jene, die beginnen, mit der herausforderung  über sich selbst hinauszuwachsen, ist die nas.2020 eine einmalige chance. und von irgendwo müssen die exzellenten persönlichkeiten im jahr 2040 ja herkommen.

summa summarum soll das stupide auswendigsaugen (-lernen)  mit anschließendem möglichst raschem wiedervergessen der vergangenheit angehören. im gegenzug wird theorie-input möglichst mit der praxis verknüpft. welche praktischen auswirkungen hat eine information? wie kann ich die information nutzen? inwieweit kann ich eine information in einer konkreten fallstudie umsetzen?

besonderer bedeutung kommt dem praktikeranteil innerhalb der referenten und lehrer zu. die lehrbeauftragten sollten in den bereichen, die sie lehren auch berufliche erfahrung vorweisen können. wer zb. obstbau unterrichtet, sollte auch praktischer obstbauer sein.

in der nas.2020 werden nicht nur schüler beurteilt. am ende des schuljahres bekommen auch lehrerInnen und fachreferentInnen ihr feedback. beurteilt werden zb. fachkompetenz, lehrinhalt, unterrichtsqualität und fairness. anhand dieser rückmeldung können auch notwendige personelle änderungen folgen.

im jahr 2020 werden öffentlich bedienstete über eine bundesbeschäftigungsagentur beschäftigt. sie sind dann im finanzamt, in bezirksverwaltungsbehörden oder in schulen tätig. durch die beschäftigung bei der bundesbeschäftigungsagentur wird ein auswechseln von sichtlich überforderten oder wenig motivierten pädagogen in andere bereiche erleichtert. andererseits können bei mangel von spezialreferenten von anderen bundesbehörden mitarbeiter ganz oder teilweise in den schuldienst einwechseln.

das konzept nas.2020 ist für drei- bis fünf-jährige landwirtschaftsschulen gedacht und adaptierbar. manche inhalte mögen visionär sein. andere vielleicht auch kurzfristig umsetzbar. unabhängig wohin und wie weit ein weg geht, er beginnt immer mit dem ersten schritt.

herzlich willkommen

herzlich willkommen im blog zum projekt "neue agrarschule 2020".

in unregelmäßigen abständen tauchen immer wieder anfragen zum projekt auf, interessanterweise selten aus österreich. informationen, dass das ursprüngliche projekt bereits in slowakisch und rumänisch übersetzt wurde, konnten bislang nicht sicher bestätigt werden. sachdienliche hinweise diesbezüglich sind aber erbeten. eine allfällige kooperation käme mir sehr gelegen.

im übrigen hoffe ich, dass sie das finden, was sie suchen.

für anregungen und kritik bin ich gerne empfänglich.

mfg hans kreimel
www.kreimel.at
stratem(a)gmx.net